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Deutsch-Unterricht, gegeben von einem manisch-depressiv veranlagten Menschen


 

Im März 2009 bin ich mit dem Auftrag nach China gereist, Yao, den Sohn meiner Frau, in Deutsch zu unterrichten.

 

Dies war nötig geworden, weil die Visa-Bestimmungen neuerdings <Kenntnisse der deutschen Sprache> vorschreiben.

 

Im Gepäck hatte ich u.a. das offizielle Lehrbuch <Deutsch 1>, das die Grundlage des Deutsch-Unterrichtes bildet, den das Goethe-Institut in Shanghai anbietet.

 

Yao hatte bereits seit acht Monaten drei Tage in der Woche je zwei Stunden privaten Unterricht von einer Chinesin bekommen, die in Fuzhou lebt. Die Dame, die hier namenlos bleiben soll, hatte das genannte Lehrbuch, das ich im Gepäck hatte, bereits zweimal mit Yao durchgearbeitet.

 

Das Ergebnis war katastrophal:

 

Auswendig gelerntes Wissen, das keinen Bezug zur Praxis hatte.

 

So kannte Yao zum Beispiel die Farben "Rot", "Blau", "Grün" und so weiter, konnte aber meine Frage "Welche Farbe hat diese Blume?" nicht verstehen, weil der den Oberbegriff (Gruppe) "Farbe" nicht kannte.

 

Ähnlich verhielt es sich bei der Gruppe "Besteck" - die Begriffe "Gabel", "Messer", "Ess-Stäbchen" waren teilweise bekannt, nicht aber der Oberbegriff "Besteck".

 

Abstrakte Begriffe wie "oben" "unter" "hinter" "vor" "über" und so weiter kannte Yao überhaupt nicht, obwohl das genannte Buch versucht, diese Begriffe über winzig kleine Bildchen zu vermitteln.

 

In dem Buch "Deutsch für Ausländer" gibt es viele Beispiele, die für jemanden, der in Deutschland lebt, verständlich sind, nicht aber für einen jungen Menschen, der nie in Deutschland gewesen ist.

 

Der Schauspieler Karl Maria Brandauer ist nicht einmal jedem Deutschen bekannt - was soll sich ein 16-jähriger Chinese darunter vorstellen?

 

Kurz gesagt:

Ich habe  das Buch "Deutsch für Ausländer", in dem Sätze wie "Die Kerze ist an" und andere Unsinnssätze zu finden sind, auf manische Weise im wahrsten Sinne des Wortes <in die Mülltonne> geworfen.

 

Dann habe ich zwei Tage lang bewusst Schlafmangel <eingestellt> und das Thema an eine höhere Macht abgegeben, die mir wie erwartet, die Lösung des Problems gegeben hat.

 

Wie in "Labyrinth?" beschrieben, bin ich nachts aufgewacht, als wenn mich jemand <eingeschaltet> hätte, und ich wusste die Lösung:

 

Praktischer Unterricht mittels Fotos, unter denen sich der Junge etwas vorstellen kann.

 

Glücklicherweise hatte ich mein elektronisches Notizbuch, eine Canon Ixus, dabei und so habe ich mich gleich ans Werk gemacht. Hier nun ein Teil der Fotos, die dabei entstanden sind:

 

Apfel und Mango auf einem weißen Teller.

Die Schatten des Gitters, das den Balkon, auf dem das Bild gemacht worden ist, sind geeignet, den abstrakten Begriff "Schatten" zu verdeutlichen.

Weiterhin: "Die Mango ist gelb" - Der Apfel ist rot" - "Apfel und Mango sind Früchte" "Der Teller steht am rechten Rand des Bildes" und so weiter.

 

Brücke in Fuzhou/China

Diese Brücke kennt Yao aus eigener Anschauung. Das Bild ist geeignet, die Begriffe "großer Fluss", "Brücke", "Fahnen", "Schiff", "Vordergrund", "Hintergrund" und so weiter so zu vermitteln, dass der Junge sich darunter etwas vorstellen kann.

 

Käsebrot

Wie will man einem jungen Chinesen, der noch nie ein <Käsebrot> gesehen, geschweige denn gegessen hat, diesen Begriff erklären?

 

Es hat mich einige Mühe gekostet, in einem Supermarkt der Millionenstadt Fuzhou ein Brot, Butter und Käse zu finden.

 

Nur, wer einmal in seinem Leben ein <Käsebrot> - richtiger "Brot mit Butter und Käse", selbst zubereitet und gegessen hat, kann sich unter diesem Begriff etwas vorstellen.

 

Es ist eine wirklich manische Lösung, einen solchen Aufwand zu betreiben, nur um einen Begriff zu verdeutlichen.

 

Diese drei Beispiele sollen genügen, das <System> zu zeigen, das mir  in einer kleinen manischen Phase von einer höheren Macht<gegeben> worden ist, damit ich das Ziel erreichen konnte, dem Jungen ein Verständnis für die deutsche Sprache beizubringen.

 

Yao hat den Deutsch-Test auf der deutschen Botschaft in Kanton nach nur 50 Stunden Unterricht bestanden.

 

Das ist es, was ich meine, wenn ich davon spreche, dass manisch-depressiv veranlagte Menschen ein Potential in sich tragen, das geeignet wäre, die Menschheit <nach vorn> zu bringen.

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