Ein 4Pt + 1Pt Backgame mit gutem Timing
Obwohl ich im Grunde nicht gerade ein Fan der Amerikanisierung unserer Sprache bin, gebe ich zu, dass diese im Fall von Backgammon hilfreich sein kann, weil es dort Begriffe gibt, die komplexe Vorgänge in einem Wort zusammenfassen. Einer dieser Begriffe ist "Timing", was man mit "Zeiteinteilung" nur ungenügend übersetzen kann.
Die folgende Sequenz ist ein weiteres Beispiel für die Tatsache, dass man beim Backgammon vorausdenken kann und muss, obwohl es ein Würfelspiel ist. Es gilt, in jeder Spielsituation die höchstmögliche Anzahl von Wahrscheinlichkeiten zu seinen Gunsten <einzustellen>, - was auch bedeutet, dem Gegner die geringst-mögliche Anzahl an Chancen zu lassen.
Weiß hat ein 4Pt + 1Pt-Backgame. Rot hat sein Spiel schon sehr weit nach vorn entwickelt. Weiß muss jetzt in die Zukunft denken. Rot wird aus dieser Position noch 3-4 Züge benötigen, seine Steine von R10 und W2 in sein Innenfeld zu ziehen. Weiß hat genügend <Zeit> in der Zwischenzeit sein Board für den Fall vorzubereiten, dass er einen roten Stein schlagen kann. Aus diesem Grund möchte Weiß nach Möglichkeit keine weiteren Steine geschlagen bekommen. Die "5" gibt Weiß keine Möglichkeit, seinen offenen Stein von W7 sicher zu ziehen.
Weiß zieht R12 -> W7 und gibt Rot damit die geringste Anzahl von Möglichkeiten, einen weiteren weißen Stein zu schlagen.
Weiß muss nun einerseits so ziehen, dass er einerseits die besten Chancen hat, noch einen Schuss auf Rot zu bekommen und andererseits diesen Stein, sofern er ihn schlagen kann, daran hindern kan, schnell wieder einzuspielen und zu gewinnen.
1x W8 -> W5 ist einfach. Wie aber die restlichen 3x 3 ziehen?
Weiß zieht R1 -> R4, 2x R4 -> R7 und gibt sich selbst damit die Möglichkeit, R4 und R offen zu stellen, wenn sich das als notwendig erweisen sollte.
Es entsteht das folgende Bild.
Rit hat1+1 gewürfelt und konnte damit nur 2x R3-> R2 ziehen.
Nun ist Rot in einer absolut unflexiblen Position.
Weiß muss mit seinem nächsten Zug sowohl R1, als auch R4 öffnen, um Rot zu zwingen, Steine offen zu stellen.
Die folgende Position zeigt diese Partie zwei Würfe später. Rot hat eine "4" gewürfelt und war gezwungen, auf R1 zu schlagen.
Weiß hat 6+1 gewürfelt.
Mit der "1" hat Weiß den roten Stein auf R1 geschlagen, mit der "6" schließt Weiß R7 (R12 -> R7) in der Absicht, den geschlagenen roten Stein zu blockieren. Das erste Ziel von Weiß ist nun, ein Gammon zu verhindern, das zweite Ziel ist, diese Partie noch zu gewinnen.
Rot hat 6+4 gewürfelt und musste der "4" nach R1 ziehen, was ihn gezwungen hat, einen Stein auf R5 frei zu stellen.
Chance für Weiß, einen zweiten roten Stein zu schlagen und die Partie zu gewinnen.
Weiß hat 5+3 gewürfelt. Damit kann er den roten Stein auf R5 nicht schlagen.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder auf R2 schlagen, um damit zu verhindern, dass Rot den Stein von R5 in Sicherheit bringen kann (aktives Spiel) oder versuchen, den Stein von R2 weiter zu blockieren und so die Partie zu gewinnen. (Passives Spiel)
Beide Varianten sind etwa gleichwertig, weil Rot bisher erst zwei Steine ausgespielt hat.
Ich neige zu aktivem Spiel und habe deshalb mit W10 ->-> W2* geschlagen, um den zweiten Stein <herauszuarbeiten>.
Im Nachherein betrachtet, halte ich das passive Spiel in dieser Position für besser, - in der aktuellen Situation bin ich auf meine Manie hereingefallen, ein technisch brilliantes Spiel zu zeigen.
Rot hat auf R1 geschlagen und konnte den Stein auf R5 nicht sicher ziehen.
Weiß hat 6+4 gewürfelt und trifft wieder nicht.
Weiß spielt auf R4 ein und schlägt mit der "6" auf W1.
Doppeln oder nicht doppeln, das ist hier die Frage.
Ich hätte gedoppelt, weil Rot bereits zwei Steine ausgespielt hatte und somit nicht mehr "Gammon" verlieren konnte.
Des Demos wegen habe ich nicht gedoppelt.
Rot hat als nächsten Wurf 6+6 gewürfelt und damit
W4 ->->->W3 und W3 -> W9 gezogen.
Weiß hat 5+5 gewürfelt und konnte damit den roten Stein auf W9 nicht schlagen.
Anschließend ist der rote Stein von W9 entkommen und Weiß konnte sich nur noch bemühen, ein "Gammon" zu verhindern.
Klare Situation: Weiß gibt auf, Schwarz nimmt an, weil klar ist, dass Weiß einen Stein wird ausspielen können.
Eine spannende Partie, die durch die korrekt gezogene 3+3 in der Anfangsphase der hier gezeigten Sequenz hätte gewonnen werden können.
